Die Wanderungen von Forrest Klaus - Teil 8 - Megamarsch Ruhrgebiet

Bericht vom "Megamarsch Ruhrgebiet bei Nacht"

Zunächst die Fakten: Es gibt doch noch Sport, bei dem ich neue Rekorde aufstellen kann!


Mit einer Bruttozeit von 8:30 Stunden habe ich einen neuen persönlichen Megamarsch-Rekord aufgestellt. Was für mich besonders schön war: Ich habe einen Schnitt von mehr als 6 km/h geschafft.

Und jetzt zum Marsch an sich:

Nach meinem Debüt beim 50-km-Marsch im Weserbergland hatte ich mich noch kurzfristig für den Marsch im Ruhrgebiet angemeldet. Der findet nämlich auch in der Nacht statt.

Die Anreise gestaltete sich etwas schwierig, weil ein Fischer natürlich immer früh da sein will. Da aber der Start am Stadion in Essen war und nachmittags noch ein Spiel von Rot-Weiß Essen stattfand, waren alle Zufahrtsstraßen gesperrt. Die beiden Ordner, die ich gefragt habe, zuckten auch nur mit den Schultern und deshalb habe ich mein Auto dann erstmal ungefähr 1 km vom Stadion entfernt abgestellt.

Als ich aber gerade zu Fuß hingehen wollte, wurde die Sperre aufgehoben und ich konnte mein Auto doch noch direkt am Stadion an der Hafenstraße parken. Was für mich den Vorteil hatte, dass ich erstens noch eine Weile im Auto sitzen konnte, mein ganzes Zeug dabei hatte (Mückenspray, Getränke etc.) und natürlich, weil ich dann nach dem Ziel nicht mehr weit gehen musste.

Ein weiterer Vorteil ergab sich, weil die Pommesbude am Stadion nach dem Fußballspiel noch geöffnet hatte und ich mir deshalb eine ziemlich gute Frikadelle reinziehen konnte (Sportlernahrung!).

Gestartet wird in Gruppen von etwa 100 Leuten mit Abständen von 5 Minuten. Das hat den Vorteil, dass sich das Feld der Wanderer etwas auseinanderzieht. Da ich aber keine Lust hatte, mitten in meiner Startgruppe rumzulatschen, habe ich am Anfang etwas Tempo gemacht und lag gemeinsam mit einem Holländer sozusagen in Führung. Wir holten dann aber bald die Leute ein, die bereits vor uns gestartet waren und dann wurde es auf der Strecke auch teilweise voll. Denn Wanderer, die zum Teil zu viert nebeneinander gehen und gleichzeitig noch Fahrradfahrer (E-Bike-Ursels) und E-Scooter auf einem Wanderweg, das wird dann schon eng.

Die ersten Kilometer fand ich deshalb auch eher nervig. Dann führte der Weg aber durchs Industriemuseum mit vielen ehemaligen Fabrikhallen. Das war sehr interessant und auch gut zu wandern, weil der Weg sehr breit war.

Anschließend wieder etwas durch die Innenstadt von irgendwelchen Orten um Gelsenkirchen ... mit einigen Ampeln, die man natürlich nicht einfach ignorieren darf, wenn sie rot sind. 😎 Diese "Innenstadtwege" kann man natürlich bei einem solchen Event nicht komplett vermeiden, aber sie nerven etwas.

Etwa bei km 25 begann dann der Anstieg zur "Halde Hohewart". Man konnte die Serpentinen eigentlich gut hochgehen. Besonders schön waren die Geräusche der Insekten. Hauptsächlich die Grillen machten dort einen Riesenkrach. Ich fand's schön! Zumal man dann auch nicht so sehr das Gelaber der anderen Wanderer hörte, denn da waren einige dabei, die haben so laut erzählt, dass man sie noch hundert Meter weiter hörte.

Kurz nach dieser Halde gab es noch einen zweiten kleinen Anstieg auf eine andere Halde. Davon scheinen die da im Ruhrgebiet reichlich zu haben. Hätte das mit dem Kohleabbau etwas länger gehalten, dann könnten sie vermutlich den Alpen Konkurrenz machen.

Danach folgten dann der dritte und vierte Verpflegungspunkt bei km 33 und 39. Ich hatte mir vorher eigentlich ein Tempo von 5,5 km/h vorgenommen, landete aber wegen des hohen Anfangstempos immer bei knapp über 6 km/h. Da sich das aber gut anfühlte, behielt ich das Tempo bei und wollte es zumindest bis km 30 halten. Als ich das geschafft hatte, dachte ich: "Jetzt kannste auch gucken, ob du 6 km/h auch bis km 42 (also Marathon) durchhältst." Klappte auch.

Na ja, und dann war irgendwie klar, dass ich dann auch dieses Tempo ins Ziel bringen wollte. Man hätte da auf den letzten Kilometern sicherlich gemütlicher gehen können. Man hätte auch an roten Ampeln anhalten können ... 😎

Aber jetzt wollte ich es dann auch wissen.

Positiver Nebeneffekt: Ich hatte bis km 45 eigentlich überhaupt keine Probleme mit Blasen an den Füßen. Denn die Kombination aus eng sitzenden dünnen Laufsocken und gut eingetragenen Laufschuhen scheint da doch besser zu sein als die Wanderstiefel. Die hatte ich zwar dabei, habe mich aber aufgrund der Hitze gegen sie entschieden, weil's sonst zu warm an den Füßen geworden wäre. (Die Stiefel sind jetzt erstmal bei längeren Märschen mit gutem Wetter raus ... 😁)

Und ich habe dann auch die letzten Kilometer im Wunschtempo geschafft. Das war anstrengend, weil auch noch bei km 45 ein weiterer Anstieg auf eine andere Halde mit anschließendem Treppenabstieg kam, aber es hat geklappt.

Übrigens habe ich mich bei km 39 dann auch mal auf die Fresse gelegt, weil ein Bordstein sich plötzlich vor mir in den Weg warf. Ich war gerade mit dem Handy beschäftigt, um zu gucken, wo es zum Verpflegungsstand ging und dann ... PADUFF! Selbstverständlich habe ich mich leopardenartig und sehr geschmeidig fallen lassen und versucht, mit einem Ausfallschritt noch mit dem Arm den Rasen zu erreichen, um etwas weicher zu fallen ... Hat aber nicht geklappt und ich bin auf die Betonsteine geknallt.

Meine Sorge galt meinem Handy, aber das hat den Sturz gut überstanden. Und ich - bis auf eine kleine Wunde am Arm - eigentlich auch. (An der Sache mit dem leopardenartigen Hinfallen muss ich noch etwas arbeiten.)

Ich muss zugeben, dass ich dann auch froh war, als das Ziel in Sichtweite kam. Mit der Bruttozeit von 8:30 Stunden und einer reinen Bewegungszeit von 8:22 Stunden habe ich dann bei 50,8 km einen Schnitt von 6,1 km/h erreicht. Für einen alten Mann, der zwischendurch viermal Verpflegung nachgefüllt hat, einmal kurz in die Büsche musste und sich auf die Schnauze gelegt hat, ist das schon sehr ordentlich, finde ich.

Hier noch einige Bilder:

Klaus F. aus R. vor der Statue von "Boss Rahn", der uns 1954 zum Weltmeister gemacht hat. "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen und Fischer eine Frikadelle kaufen ... 

Wer 50 km marschiert, der darf auch eine Frikadelle ...

Sehr interessante Industriebrache

Die Verbindungswege zwischen den einzelnen Gebäuden sind toll

Muss für die Leute auch blöd gewesen sein, als denen irgendwann mal jemand gesagt hat, dass die "Bude" zugemacht wird.

Könnte sein, dass die hier nach Öl bohren ...

Ich habe gnadenlos "zurückgeknipst" ...

Und nochmal ...

Ruhrgebiet bei Nacht mit etwas verwackelter Kamera ... Das war natürlich volle Absicht und deshalb ist dieses Foto künstlerisch sehr wertvoll und eigentlich unbezahlbar ...

Hier nochmal ein unverwackeltes Bild

Der Klaus kurz nach dem Ziel und dem - alkoholfreien - "Finisherbier"

    

  

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