Power Trails Paderborn 44 km

Früher hieß das mal Wanderung. Dann kam irgendwann der Begriff Marsch, der bei Megamarsch und Mammutmarsch ja weiterhin verwendet wird, auch wenn das Wort "Marsch" irgendwie ein bisschen nach Nazisprache und AfD klingt (aber vielleicht mag ich auch nur das Wort "Marsch" nicht so gerne). Ganz neu ist jetzt die Bezeichnung "Powertrails" für eine Veranstaltung, die erstmalig in Paderborn stattfand. Da konnte man 11, 22, 33, 44 oder 66 km gehen.

Ich hatte mich für die 44 km entschieden. Zwei große Runden, eine flach um ein paar Seen und die andere etwas hügelig.

Morgens auf der Fahrt nach Paderborn ließ der Regen keine echte Vorfreude aufkommen und ich hatte mich mit mir selbst irgendwie schon verständigt, dass ich dann nach 22 km aufhöre, wenn ich richtig durchnässt bin.

Der Start-Zielbereich war gut zu erreichen und man fand sich schnell zurecht. Beim Einchecken gab's ein Bändchen ums Handgelenk und im Nachbarzelt konnte man sich schon vor dem Start mit belegten Broten, Kuchen, Süßigkeiten, Knabbersachen und Getränken eindecken. Da ich eigentlich fast alles dabei hatte (Apfelschorle, Kohlehydrat-Gels, Müsliriegel und natürlich die "Not-Cola", falls es irgendwann mal ganz schlimm wird), nahm ich nur ein Käsebrot und einen Kaffee.

Ich war so früh da, dass ich auch noch den Start der 66-km-Wanderer mitbekam und der war mir persönlich am frühen Morgen dann etwas zu überdreht. Wenn man ständig gefragt wird, ob man gut drauf ist, was alle dann mit einem eher mürrischen "Joah" beantworten, ist mir das irgendwie ein bisschen zu viel gute Laune in der Moderation. Geschmackssache, ich weiß ... aber ich mag es nicht, wenn irgendwer mich anbrüllt, weil er meint, mich damit zu motivieren ...

Deshalb beschloss ich, nicht den offiziellen Start für die 44 km abzuwarten und dann wieder zwölfmal gefragt zu werden, ob ich "gut drauf bin", sondern einfach schon einige Minuten früher loszugehen. Das hatte dann auch den Vorteil, dass man nicht in einem riesigen Pulk mit anderen Leuten geht, die sich - zum Teil sehr lautstark - erstmal erzählen, wieso "die Britta das wieder nicht gerafft hat" oder "die 56-jährige Kollegin nur noch auf die Rente wartet" oder "der Björn einfach ein Vollarsch ist" ... interessiert mich nämlich alles nicht.

Da es keine offizielle Zeitmessung und auch keine Platzierungen gibt, habe ich durch den "Fehlstart" ja niemanden benachteiligt oder mir irgendwelche Vorteile erschlichen. Von daher war das aus meiner Sicht okay.

Und das war auch sehr gut, weil ich dadurch die ersten ca. 10 km eigentlich komplett alleine unterwegs war. Dann holte ich die langsameren 66-km-Wanderer ein, die ja zunächst auf der gleichen Runde unterwegs waren. Manchmal etwas nervig, wenn drei oder vier Leute nebeneinander gehen und labern und dann gar nicht mitbekommen, dass ich mit affenartiger Geschwindigkeit von hinten ankomme. Und manchen Leuten sieht man dann förmlich den Gedanken an: "Was? Der alte Sack überholt uns?" Aber man sollte dabei natürlich auch bedenken, dass diese Leute da 66 km wandern wollten und ich nur 44. Also mussten sie sich auch die Kraft etwas mehr einteilen.

Nach 22 km kam man dann wieder zum Startbereich oder - wie es jetzt neudeutsch heißt - "Powercamp". Da konnte man die Getränke und Essensvorräte auffüllen. Ich hatte mich längst entschieden, doch die 44 km zu machen und nicht nach 22 km aufzuhören, denn wir hatten während der Veranstaltung gutes und vor allem dann auch trockenes Wetter. Der Regenponcho konnte also im Rucksack bleiben.

Ich nahm mir noch zwei belegte Brote, füllte Wasser nach und ging gleich weiter. Jetzt auf die hügelige Runde, die zunächst durch die Innenstadt führte. Letztlich war die Strecke aber gut ausgesucht, denn man kam eigentlich nur an wenige Ampelkreuzungen. Meist ging's über Nebenstraßen oder Rad- und Wanderwege. Und ansonsten gilt halt manchmal an der Ampel "Rot ist das neue Grün!" 😁

Wir mussten eine ziemlich lange, aber nicht sehr steile Steigung absolvieren und danach kamen noch zwei weitere kurze, aber recht knackige Anstiege. Aber grundsätzlich alles kein Problem. Die Form aus dem Sommer ist noch gut genug, dass ich solche Steigungen locker schaffe. Auf dem Rückweg hatten wir dann zeitweise recht ordentlichen Gegenwind, aber mein aerodynamischer Körper bietet ja kaum Widerstand ... 😂😁😎

Ich war dann eigentlich ganz froh, als die Restkilometer in der komoot-App endlich unter 10 angezeigt wurden. Da wusste man dann ja, dass es bald geschafft ist. Da ich ziemlich zügig unterwegs war, hatten sie im Ziel noch gar nicht mit einem 44-km-Wanderer gerechnet, aber ich bekam dann trotzdem meine Medaille. Eigentlich gab es auch eine Urkunde, aber die für 44 km war wohl noch nicht vor Ort. War aber dann auch nicht so schlimm, denn ich habe mittlerweile von Marathons und Märschen genug Urkunden in der Schublade und konnte darauf verzichten.

Im Ziel gab's ein (alkoholfreies) Finisherbier und auch Suppe. Man hatte die Wahl zwischen Linsensuppe mit Würstchen und vegetarischer Kartoffelsuppe und ich habe mich - das muss ich jetzt bekennen - für die Kartoffelsuppe entschieden ... Ich habe mich natürlich dafür geschämt, dass ICH was Vegetarisches esse, aber sie war lecker. Und als Ausgleich habe ich mich dann mit meinem Sohn zum Döner verabredet. Das reißt es dann ja fast wieder raus.

Dann ging's nach dieser Stärkung wieder nach Hause. Die Autobahn war glücklicherweise nicht so voll. Ich habe einige Wohnwagengespanne überholt und man konnte den Leuten die Erleichterung ansehen, dass sie jetzt nach Hause fahren dürfen und endlich wieder die Zeit auf dem Campingplatz für dieses Jahr hinter sich haben ... 😁

Fazit: Insgesamt eine für meinen Geschmack sehr gelungene Veranstaltung. Die Streckenführung war überwiegend gut ausgesucht ohne zu viele Ampeln. Und trotz des Regens der letzten Tage ging es eigentlich kaum über matschige Wege. Die Verpflegung ist meiner Meinung nach top gewesen, auch wenn ich selbst gar nicht so viel davon genommen habe. Die Helfer haben tolle Arbeit geleistet!
Mir persönlich hätte vielleicht noch etwas Cola gefehlt, aber vielleicht gab es die auch und ich habe sie nur nicht gesehen.

Also gerne wieder! Vielleicht schon im nächsten Jahr.


  Keine Ahnung, warum die Bilder zeitlich in der falschen Reihenfolge sind ... 
Zielverpflegung: Vegetarische Kartoffelsuppe

Ziel-Klaus mit Medaille und dem süßesten Lächeln der Welt ... 😁

Unter der Autobahn durch ...

Das Schloss, in dem irgendein Adeliger auf Kosten der normalen Menschen gewohnt hat

Paderborns Antwort auf die Niagara-Fälle

Klaus, guck doch mal ganz natürlich ... nein, nicht wie ein psychopathischer Massenmörder ...

Ich glaube, das ist der Lippesee ... falls Donald Trump den noch nicht umbenannt hat ...

St. Klaus

Startbereich: Die 66.km-Wanderer sind schon weg, die 44-km-Wanderer noch nicht da ... und ich gehe gleich los.

Power-Fischer beim Powertrail

    

Kommentare