Jedes Jahr die gleiche bescheuerte Idee ... 😂 Aber der Berlin-Marathon bedeutet mir sehr viel. Ich mag die Stadt, ich mag den Marathon und ich treffe ja dort auch jedes Jahr ein paar Leute, die ich schon lange kenne.
Da die S-Bahn morgens nur alle halbe Stunde fuhr, bin ich bereits um kurz vor 6 Uhr los. Als ich 200 Meter vom Hotel entfernt war, fiel mir ein, dass ich meinen Klamottenbeutel vergessen hatte, in dem ich Wechselsachen, Milchbrötchen für "vor'm Start" und Cola und Fruchtgummis für "nach'm Ziel" dabei habe. Also nochmal zurück und dann froh, dass ich - wie ein Fischer halt - sowieso zu früh losgegangen war und Zeit genug hatte, um die S-Bahn noch zu kriegen. Normalerweise bin ich nicht unbedingt total vergesslich und hätte wohl an den Klamottenbeutel gedacht, aber auch vor dem 22. Berlin-Marathon liegen die Nerven blank ...
Ich brauche das, früh im Startbereich zu sein. Ein Grund ist die Ruhe, die man dann anfangs noch hat. Ein weiterer, ganz praktischer Grund: Wenn man nochmal aufs Dixi-Klo muss, dann riechen die am frühen Morgen noch nicht ganz so fies wie später.
Im Startbereich wird man dann irgendwann auch von nerviger Musik vollgeplärrt. Das scheint nicht mehr vermeidbar zu sein. Aber mittlerweile kann man den Bereich wieder nach Süden verlassen und kommt hinterher trotzdem wieder rein. Das war jahrelang leider anders. So konnte ich dann auch die schnellen Kenianer und unsere Eliteläuferin Ester Pfeiffer beim Warmlaufen sehen und hatte außerdem noch etwas mehr Ruhe von der Musik.
Im Startbereich habe ich dann noch Caty kennengelernt. Ein sehr netter Ordner, mit dem ich mich eine ganze Weile unterhalten habe und der auch einige Fotos von mir gemacht hat, rief irgendwann: "Komma her!" Und dann stellte er mir Caty vor, die genau wie ich ihren 22. Berlin-Marathon lief. Wir sind aber jetzt trotzdem nicht zusammen ... 😂
Tja, und dann ertönt irgendwann die Melodie von "Sirius" und jeder Berlin-Läufer weiß, dass es dann losgeht. Mittlerweile kann man sich ja bei der App einloggen und die Zeiten für alle freigeben, sodass jeder gucken kann, wo man gerade ist (wenn die Technik funktioniert und man gerade Netz hat). Ich mache das seit Jahren, denn es ist kein Geheimnis, wie ich beim Marathon unterwegs bin.
So konnte dann auch jeder sehen, dass ich auf den ersten Kilometern zu schnell war, dann aber ab km 4 mein geplantes Tempo zwischen 7 min/km und 7:10 min/km gefunden habe. Und das klappte eigentlich auch sehr gut - ungefähr bis km 26.
Meine Kinder haben bei km 6,5 und bei km 19,2 auf mich gewartet und da hatte ich noch gesagt, dass ich mich gut fühle. Aber einige Kilometer später wurde es dann zäh. Ich wurde etwas langsamer, habe mich aber noch bis km 33 durchgebissen. Und dann war es so, dass ich beim Laufen auch nicht mehr schneller war als wenn ich gehe (ich kann ziemlich schnell gehen und das fällt mir leichter als das Laufen, wenn ich kaputt bin). Und deshalb bin ich dann auch immer wieder gegangen.
Bei km 37 war dann unser letzter Treffpunkt und da habe ich meine geliebte Cola bekommen, die mir für die letzten 5 km dann nochmal Zucker für den "Kick" liefern sollte. Das klappte auch ganz gut.
Kurz vor km 41 fiel vor mir ein Läufer auf den Boden. Ich dachte erst, dass er nur einen Krampf hatte und ging hin, um zu helfen. Dann merkte ich aber, dass er Gleichgewichtsprobleme hatte und wieder hinfiel. Ich blieb noch bei ihm, aber kurz danach kamen dann zwei Helferinnen, um sich um ihn zu kümmern. Also konnte ich weiter (weil ich mein Medizinstudium bei YouTube immer noch nicht abgeschlossen habe ... 😁). Ich hoffe, dem Mann geht's gut ... genauso wie der Frau, die einige hundert Meter weiter auf dem Boden lag (da waren schon Helfer da und der Krankenwagen kam auch gerade). Man sieht daran, dass es keineswegs selbstverständlich ist, beim Marathon ins Ziel zu kommen und dass man sinnvollerweise auf den Körper hören sollte und notfalls - so wie ich heute - dann auch Gehpausen macht. Denn ein paar Minuten langsamer zu sein ist besser, als bei den Sanis auf der Pritsche zu liegen.
Und wenn man dann auf "Unter den Linden" einbiegt und das Brandenburger Tor sieht, dann weiß man: Gleich ist es geschafft. Und dann breitet sich selbst bei mir mal dieses "Runners High" aus, das andere angeblich ständig haben, ich als gefühlskalter Norddeutscher aber nicht. Doch der Zieleinlauf ist jedesmal geil! Und ich habe das sehr genossen und war glücklich, meinen 22. Berlin-Marathon zu finishen.
Hinterher wird es dann erst etwas nervig, weil manche Läufer sich dann theatralisch auf den Boden werfen und die Wege verstopfen. Mir geht das ziemlich auf den Keks, denn sich selbst bemitleiden oder auch 28 Selfies können sie dann immer noch später machen. Da, wo mehr Platz ist.
Dann möglichst schnell durch das Gewühle und zum Zelt, wo die Klamottenbeutel gelagert werden und raus.
Leider wird auch der Ausgang aus dem Zielbereich dann von Angehörigen der Läufer belagert und ich denke dann immer: Warum? Kann man nicht mal so clever sein und sagen: "Wir treffen uns vor der Treppe des Reichstags ... oder vorm Kanzleramt ... oder der Schweizer Botschaft ... oder am Hauptbahnhof?" Also so, wie wir das machen ... wir, die cleveren Fischers ...😁
Anschließend ging's zurück zum Hotel. Und nach einer kleinen Erholungsphase dann mit den Kindern zum Italiener ... der aber wegen technischer Probleme leider geschlossen hatte ... also zur Dönerbude.
Und das war auch eine gute Wahl, denn das Essen war richtig gut. Das Bier hatte ich mir auch verdient, fand ich. (Und falls das jemand anders sieht: Ich habe es jetzt sowieso weggezischt!)
Vor einigen Wochen habe ich noch gedacht, dass ich nächstes Jahr mal mit Berlin aussetze. Aber momentan fühlt es sich so an, als würde ich auch in 2027 wieder bescheuert genug sein, am Marathon teilzunehmen ... so Gott will! Ohne den Berlin-Marathon würde mir was fehlen!





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