Vor etwa einem Jahr bin ich während meines Urlaubs ums Steinhuder Meer gewandert. Das war damals eine ziemlich nervige und anstrengende Geschichte. Nervig deshalb, weil etwa 1,2 Millionen "E-Bike-Ursels" (EBU's) zwischen Nordstrand und Steinhude unterwegs waren. Und anstrengend, weil ich auf den letzten Kilometern ziemlich platt war und mich mit letzter Kraft in eine Tankstelle geschleppt habe, um mit einer Cola zu überleben😁. Und damals habe ich beschlossen, dass Wanderungen ums Steinhuder Meer wegen der vielen E-Bike-Ursels scheiße sind.
Aber ich wäre ja nicht eine Legende der Finanzverwaltung, ein leuchtendes Vorbild für meine Kollegen und eine Stütze Niedersachsens, wenn ich nicht in der Lage wäre, Konzepte zu verbessern und gute Lösungen zu finden.
Also merket auf und lernet! Denn ich hatte mir Folgendes überlegt: Wenn einem nachmittags 1,2 Millionen EBU's zwischen Nordstrand und Steinhude entgegenkommen, weil das die Hauptstrecke für die ist, damit sie dann nach sechs Kilometern mit dem E-Bike erstmal da oben im Strandcafé sitzen und sich als Belohnung für ihre sportliche Leistung drei Weizenbiere reinkippen, dann muss man einfach andersrum und zu anderen Zeiten wandern, um diesen Horden zu entgehen ...
Also bin ich morgens in Hagenburg gestartet und erstmal gegen den Uhrzeigersinn durch Steinhude gegangen und dann hoch zum Nordstrand ... tja, jetzt merkt ihr, dass man von mir noch viel lernen kann ... 😁
Und ich hatte geplant, um 8 Uhr loszugehen, also dann, wenn der gewöhnliche Urlauber und E-Bike-Nutzer noch schläft oder gerade mit diesem E-Bike die 300 Meter zum Bäcker fährt, um Brötchen zu holen.
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| Sonnenaufgang schon vorbei, aber trotzdem schön |
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| Gute Weitsicht vom Nordstrand. Hinten kann man schon die ersten Ausläufer der Alpen sehen ... 😁 |
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| Die Westseite ... hinten übrigens noch nicht das Steinhuder Meer, sondern ein See, der indirekt dazu gehört. |
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| Man konnte es nicht genau erkennen, aber ich tippe auf Pottwale ... 😁 |
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| Kurz vorm Ziel noch über einen Kanal |
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| Meine Cousine meinte neulich, ich würde eigentlich auf jedem Selfie scheiße aussehen, aber ich ziehe das jetzt trotzdem durch ... |
Apropos: Wisst ihr, was noch schlimmer ist als E-Bike-Ursels mit Helm? Das sind E-Bike-Ursels, die auch noch ihr Smartphone irgendwelche beschissene Musik plärren lassen. Ich weiß manchmal nicht, was mit den Menschen heute los ist, dass sie nicht mal einfach die Natur genießen können und stattdessen nicht nur sich selbst mit Musik beschallen, sondern auch noch anderen damit auf den Sack gehen. So! Das musste mal gesagt werden!
Jedenfalls wollte ich also um 8 Uhr starten. Um zu dem von mir ausgesuchten Parkplatz zu kommen, hätte ich aber wegen einer Baustelle verkehrt durch eine Einbahnstraße fahren müssen ... also so wie der schwarze Golf vor mir ... unglaublich ... 😁
Und dann wurde ich noch kurz auf dem Parkplatz aufgehalten, weil ich vor der Wanderung noch eine kleine OP durchführen musste
ACHTUNG! DIE FOLGENDEN ZEILEN SIND NUR FÜR MEDIZINISCH INTERESSIERTE MENSCHEN!
Ich hatte nämlich neulich einen Bluterguss unter einem Zehnagel. Kennt man als Marathonläufer vom Marathon und weiß dann schon, dass der Nagel irgendwann abfallen wird. Das stand jetzt kurz bevor und deshalb musste ich da noch etwas nachhelfen (wenn man kein Weichei ist, kriegt man das hin). Anschließend konnte ich dann erstmalig mein Wander-Verbandspäckchen nutzen, dass ich schon lange mit mir rumschleppe, falls mal jemand eine Amputation oder Ähnliches braucht ...
Dann ging's aber endlich los ... um 8:01 Uhr, also zu spät. Für einen Fischer eigentlich ein "No go", aber ich spare mir jetzt die Wortspiele mit "No go" und Wandern ...
Die ersten zwei Kilometer bis Steinhude direkt am See waren sehr schön. Dann folgten aber gut drei Kilometer durch den Ort und ich sag mal so: Steinhude ist jetzt für mich nicht die Perle Norddeutschlands ... 😁
Aber danach kommen dann einige landschaftlich schöne Kilometer durchs Moor. Und wenn man - wie oben erwähnt - früh geht, dann begegnen einem auch kaum Leute. Von daher war es sehr angenehm.
Oben beim Nordstrand setzte dann leichter Regen ein und ich habe sogar einmal die Regenjacke angezogen. War aber dann nach kurzer Zeit wieder alles trocken und bestes Wanderwetter. In Mardorf konnte man im Vorbeigehen sehen, dass die mittlerweile für Fischbrötchen teilweise schon sechs Euro fünfzig nehmen. SECHS EURO FÜNFZIG FÜR EIN FISCHBRÖTCHEN?
Auf der westlichen Seite hatte ich dann zunächst Gegenwind. Die Zahl der Fahrradfahrer erhöhte sich dann auch etwas. Aber auf dieser Strecke hat man meist genug Platz. Und wenn ein E-Biker mal abstoppen musste und mich böse ansah ... ich habe die Gabe, noch böser zu gucken ... 😁
Je weiter ich nach Süden kam, desto stärker wurde der Wind. Aber glücklicherweise bog ich ja dann irgendwann nach Osten ab, um wieder nach Hagenburg zu kommen. Deshalb hatte ich also überwiegend einen ordentlichen Rückenwind. Böen von über 40 km/h waren angesagt, also noch schneller als ich ... 😁
Ich war jetzt auch ganz froh, dass es dem Ende zuging ... also dem Ende der Wanderung hoffentlich erstmal nur. Denn insgesamt 30,5 km sind auch dann ganz ordentlich, wenn man kaum Höhenmeter zu bewältigen hat. Und ich glaube, von den insgesamt 100 Höhenmetern, die mir angezeigt wurden, kam die Hälfte schon von den Brücken, über die ich gegangen bin (und im Hintergrund hören wir alle Peter Maffay mit dem Karat-Schlager "Über sieben Brücken ...")
Da es jetzt - etwa zwei Stunden nach der Wanderung - regnet, während ich diesen Bericht schreibe, habe ich zeitlich wohl alles richtig gemacht. Und bis auf wunde Füße ... wie immer ... geht's mir gut
(Ja, ich habe schon alle möglichen verschiedenen Socken ausprobiert, von denen man angeblich nie wieder Blasen kriegt, aber ich schaffe es trotzdem. Und ja, ich habe mir die Füße auch mit Hirschtalg eingerieben, aber die sind hinterher trotzdem durch. Komischerweise habe ich damit beim Laufen nie Probleme, aber beim Wandern ... Mysteriös ...)
Fazit: Um's Steinhuder Meer run is' schon ziemlich weit. Kann man auch kaum abkürzen, wenn man nicht übers Wasser laufen kann. Teilweise landschaftlich sehr schön, aber eben auch mit vielen E-Bike-Ursels, vor allem nachmittags. Außerdem preislich sehr teuer. Man findet vermutlich auch preiswerte Restaurants, aber direkt am Wasser langen sie mit den Preisen zum Teil sehr heftig hin. Ich habe mich von ein paar Gummibärchen und einem Müsliriegel ernährt und mir das Fischbrötchen erspart.








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