1:59:30 ... zweiter Teil

Vor einigen Jahren gab es wissenschaftliche Studien, die beweisen sollten, dass es nicht möglich ist, einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Ich kann mich da noch ganz gut dran erinnern, denn danach habe ich gedacht: "Okay, dann kann ich ja jetzt auch in Zukunft weniger trainieren ..." 😁

Scheinbar hat man aber vergessen, Sebastian Sawe aus Kenia das zu sagen, denn er hat es gestern einfach trotzdem gemacht (übrigens der zweitplatzierte Äthiopier mit dem für uns etwas schwierigen Namen Yomif Kejelcha lief auch noch deutlich unter zwei Stunden).

Bei Ausdauersportarten wird man den Verdacht von Doping natürlich nie ganz verdrängen können. Für einen aufmerksamen Beobachter der Marathonszene ist es schon sehr verdächtig, dass seit einiger Zeit nicht nur einzelne Eliteläufer, sondern ganze Gruppen von kenianischen und äthiopischen Läufern die alten Rekorde pulverisieren, die immerhin von Legenden wie Tergat, Gebresselassie oder Kipchoge gelaufen wurden. Bei den Frauen ergibt sich ein ähnliches Bild, dort vielleicht sogar noch dramatischer.

Was in diesem Fall noch besonders auffällt: Bis einschließlich km 30 waren die Spitzenläufer von den Durchgangszeiten nicht auf Weltrekordkurs und schon gar nicht auf Kurs "unter zwei Stunden", sondern auf eine Zielzeit von 2:02 Stunden unterwegs. Das heißt, sie haben die 90 Sekunden (Sawe) bzw. 80 Sekunden (Kejelcha) auf den letzten zwölf Kilometern rausgelaufen. Das bedeutet eine Beschleunigung von mehr als 7 Sekunden pro Kilometer! Nach 30 km "Anlauf"! Selbst die Moderatoren haben eigentlich erst bei km 40 gerafft, was da möglich ist!

Und das ist einerseits sehr faszinierend, aber andererseits eben auch schwer zu erklären.

Ich möchte mich an dieser Stelle jetzt bestimmt nicht als Experte darstellen, weil ich mal vor fast 25 Jahren an der 3-Stunden-Marke "gekratzt" habe. Leider hat es dafür dann nicht ganz gereicht (Bestzeit 3:06 Stunden), aber immerhin weiß ich ungefähr, wie man einen Marathon sehr konstant und schnell durchläuft und wie es sich dann anfühlt, wenn man auf den letzten Kilometern richtig hart kämpfen muss. Und da wirkt dann diese deutliche Temposteigerung ohne Tempomacher zumindest ... na ja ... "schwierig". Die 5 km von 35 bis 40 sind sie in einem Tempo von 2:45 Minuten pro Kilometer gerannt, die letzten beiden km hat Sawe dann sogar jeweils in 2:40 Minuten geschafft.

Ich sag mal so: Da muss man schon flott unterwegs sein und fast so schnell wie ein Rentner im Mittelgang beim Lidl auf dem Weg zu den neuen Angeboten ...  

    

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