"Die Arbeit erledigt sich dann bald wie von selbst!" Das stand neulich in einem Artikel über die angeblich so fortschrittlichen IT-Programme in der Finanzverwaltung.
Wir haben so gelacht! 😁
Und gestern fiel dann bei allen Geräten, die über die direkte Amtsleitung liefen, die komplette Online-Verbindung aus. Nicht nur in unserem Amt, sondern wohl in ganz Niedersachsen. Das bedeutete: Alle nennenswerten Programme liefen - zumindest über die Amtsleitung - nicht mehr. Da ich im Außendienst über UMTS und VPN eingeloggt war, konnte ich meine ruhmreiche Tätigkeit grundsätzlich erstmal fortführen. Allerdings kam dann mittags der Hinweis, dass man um 14 Uhr alle Onlineverbindungen der Finanzamtsgeräte trennen sollte, also auch meine.
Als stets folgsamer Finanzbeamter habe ich das natürlich gemacht, konnte dann aber auch nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, weil alles außer den Vordrucken eben auch nicht mehr ging ... ach ja, und Paint lief wohl auch noch 😁, aber das hilft einem dann auch im Steuerrecht nicht sooooo viel weiter.
Danach sollte dann die sogenannte "Großstörung" mit einem Neustart behoben werden.
Ich stelle mir das ja immer so vor, dass irgendwer von unserer IT für das ganze Bundesland vor einer Vierfachsteckdose sitzt und nochmal vorsichtshalber ruft "Ich mach jetzt aus ..." und dann - wenn kein panisches "NEIN! NOCH NICHT! SANDRA IST NOCH IM ZOOM-WORKSHOP 'KARTOFFELSALATREZEPTE FÜR FINANZBEAMTE!" kommt - den roten Kontrollschalter auf 0 stellt, langsam bis zehn zählt und dann wieder einschaltet. Und dann hofft man halt, dass irgendwer ganz euphorisch ruft: "Es läuft!" oder "Outlook geht wieder! Ich habe 38 E-Mails von der IT, dass das Netz nicht funktioniert ..."
Leider blieben diese Meldungen aber bei uns aus. Und so kam heute dann die Nachricht, dass immer noch nichts geht und dass die Behebung der Großstörung fehlgeschlagen ist. Ich finde, das hört sich ein bisschen so an wie die Meldung: "Der Angriff auf die nördliche Front des Feindes ist fehlgeschlagen ..." oder so ähnlich.
Jedenfalls hieß es dann hinterher, dass darum gebeten wird, entweder im Homeoffice zu arbeiten oder über ein privates Netz eine VPN-Verbindung herzustellen, damit es irgendwie weitergeht.
Da ich im Außendienst sowieso über UMTS eingeloggt war, stimmt die Sache auf der Karikatur so nicht, aber so ähnlich muss es bei einigen anderen gelaufen sein. Denn die meisten Kollegen aus dem Innendienst haben keine dienstliche UMTS-Verbindung und mussten dann tatsächlich das private Handy und das eigene Datenvolumen benutzen.
Falls ihr in eurer Nachbarschaft also demnächst irgendwo zwei, drei Leute mit Spaten seht, auf deren Jacken "IT-Niedersachsen" steht, dann wisst ihr, dass die vermutlich durch euren Garten neue Kupferdrähte für's Finanzamt verlegen ... 😁
Und als wäre das noch nicht genug, kam dann heute Nachmittag die Meldung, dass unabhängig von dieser Störung dann noch zusätzlich am Freitag und evtl. auch noch am Montag irgendwelche Updates laufen, die dann wieder wesentliche Programme abschalten. Und da soll dann angeblich ein etwas gefrusteter Kollege den Titelsong von Pippi Langstrumpf gespielt haben ... und zwar in dieser fiesen Version, die sich so anhört, als würde ein Massenmörder oder ein Pantomime durch den Keller des Amtes schleichen ...
Das nervt wirklich, wenn man über Tage nicht so arbeiten kann, wie es eigentlich sein sollte. Und da helfen dann die Lobreden über den tollen Einsatz der Mitarbeiter auch nicht viel.
Zurzeit laufen übrigens auch gerade die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder. Und ich hoffe, die haben da wenigstens Internet, damit dieses Drama, dass sich wegen der Verweigerungshaltung der Arbeitgeber auch schon wieder vier Monate hinzieht, endlich irgendwann mit einer Einigung endet. Denn die gleichen Leute, die uns immer sagen oder schreiben, wie stolz sie auf uns sind, die werden dann bei der Bezahlung immer ziemlich wortkarg ...

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