Ich hatte mich ja immer gefragt, wie die frommen AfD-Wähler eigentlich damit klarkommen, dass die menschenfeindliche Politik ihrer Partei dem Gebot der Nächstenliebe widerspricht und dass die geplanten Maßnahmen - momentan zu beobachten in den USA, wo man fünfjährige Jungs einsperrt, Menschen ohne anwaltliche Beratung wochenlang in Lager verfrachtet und abschiebt und nicht zuletzt auch eigene Landsleute einfach mal über den Haufen schießt, wenn sie nerven - nicht mit dem zusammenzubringen sind, was Jesus uns gesagt hat.
Aber jetzt hat es mir jemand erklärt - oder er hat es zumindest versucht:
Der Klimmzug bei der Argumentation ist ungefähr folgender: Jesus hat ja damals nur zu den Juden gesprochen. Also gilt sein Gebot der Nächstenliebe und sein Eintreten sogar für Feindesliebe dann auch nach dieser Auffassung nur für die Juden ... Nächster Klimmzug: Für die, die jetzt schon Christen sind, gilt es aber dann doch gleichermaßen, da die js noch "rechtzeitig" Christen geworden sind und so noch - um es bildlich auszudrücken - rechtzeitig ins Boot gekommen sind. Alle anderen, die jetzt noch nicht in Deutschland Christen geworden sind, haben dann leider Pech gehabt, denn das Boot - um im Bild zu bleiben - ist jetzt voll. Und für die anderen gilt dann halt die Nächstenliebe eben nicht mehr ... Nach AfD-Meinung oder analog bei Trump gilt diese Nächstenliebe dann übrigens auch nicht mehr für ausländische Christen, die hierherkommen. Weil die ja dann auch wieder abgeschoben werden sollen ... Alleine das müsste einem mit ein bisschen Nachdenken dann schon zeigen, dass diese fromme Lehrmeinung ziemlich heftige Lücken und Fehler aufweist.
Und dass das darüber hinaus zum Beispiel im Widerspruch zum sogenannten Missionsbefehl steht, der von uns Christen erwartet, dass die Worte Jesu allen Menschen gesagt werden sollen, solange wir hier auf der Erde sind ... egal!
Dass Jesus nie behauptet hat, Nächstenliebe gelte nur für alle, die das Gleiche glauben und machen wie wir ... egal!
Dass wir damit ein elitäres Denken und Handeln prägen, bei dem die Worte Jesu nur für die Menschen gelten, die uns in den Kram passen und auf unserer Wellenlänge liegen ... egal!
Meiner Meinung nach muss man schon auf ziemlich wilde Art und Weise einige völlig aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen aneinander klatschen, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Und man muss den Menschen, die Jesus als liebenden Gott kennengelernt haben, unterstellen, dass sie naiv oder sogar blöd sind. Und dass der Glaube daran, dass Jesus alle Menschen retten möchte, irgendeine fehlgeleitete Träumerei ist.
Und vor allem muss man sich ziemlich heftig darüber hinwegsetzen, dass die Entscheidung, wer zu Jesus gehört und wer nicht, einzig und allein bei Gott liegt und nicht bei uns. (Stichwort: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!", um hier auch mal eine Bibelstelle in den Raum zu werfen.)
Um ehrlich zu sein: Ich habe die Diskussion mit dem "Verkünder dieser Botschaft" abgebrochen, weil ich sie nichtmal im Ansatz nachvollziehen kann und weil sie allem widerspricht, was ich in den vielen Jahren meines Glaubens mitbekommen und erlebt habe. Ich möchte als jemand, der einzig und allein - wie wir Frommen sagen - aus Gnade erlöst ist, diese Gnade und dieses Angebot Gottes anderen Menschen nicht verwehren.
Vielleicht sollte man dann also einfach ehrlich sein und zugeben, dass man gerne eine rechtsradikale Partei wählen möchte und nicht noch versuchen, das irgendwie fromm zu begründen ...
#anstaendigbleibenundniemalsAfDwaehlen
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