Christoph Siebert ist wahrscheinlich der zweit intelligenteste Kabarettist Deutschlands ... also gleich nach mir ... 😁. Ich hatte mir vor einigen Wochen eine Karte für seinen Auftritt in Minden besorgt. Und ich saß auf einem der billigen Plätze im Mindener Stadttheater. Nicht, weil ich geizig bin oder gerne unter dem Dach sitze, sondern weil ich einfach zu spät dran war.
Das war in mehrfacher Hinsicht umständlich, denn erstens musste ich mich einige Treppen hochquälen, hatte also ein unerwartetes Fitnessprogramm. Und zweitens war die letzte Treppe zu Rang 3, wo ich meinen Platz hatte, noch durch ein rotes Absperrband verschlossen. Ich fragte die ältere Dame, ob man denn trotzdem schon hochgehen kann und bekam - als wäre ich der letzte Vollidiot - die ziemlich klare und direkte Antwort: "Nein! Erst wenn der Gong ertönt!"
Ich schreibe das nur, damit alle, die mal irgendwann in ein Theater gehen und im dritten Rang sitzen, das jetzt auch wissen: Erst, wenn der Gong ertönt! Ist doch klar, Leute!
Also wartete ich drei oder vier Minuten, bis ein Geräusch ertönte, das für mich weniger nach einem "Gong" klang, sondern eher nach einer verendenden Robbe. Und dann waltete die Ordnerin ihres Amtes und hob die Sperrung auf.
Üblicherweise sitze ich am Rand, um mich nicht zwischen irgendwelchen Leuten durchquetschen zu müssen. Und üblicherweise kommen ja die Leute, die in der Mitte sitzen, dann als Letzte. Dann kam Christoph Sieber, dessen politischen Humor ich zum großen Teil sehr schätze.
Was ein bisschen blöd war: Die Saalakustik war für die oberen Ränge schlecht gemischt. Unten (beim Mischpult) mag der Ton gut gewesen sein, aber oben halt nicht. Etwas zu leise und etwas zu dumpf.
Trotzdem hatte Sieber die Leute sofort in Applauslaune, als er sich am Anfang darüber ausließ, dass er jetzt so schön mit Freunden in Köln beim Karneval in einer Kneipe sitzen könnte, statt in Minden auftreten zu müssen ... Ein Kabarettpublikum, das sich selbst für intelligent hält, muss das natürlich als fiesen Humor beklatschen.
Für mich das Highlight des Abends und vielleicht auch mit dem längsten und lautesten Applaus belegt: Als Christoph Sieber erklärte, wer die wahren "starken Männer" sind.
Nicht diejenigen, die ihre Macht nutzen, um nach unten zu treten, um Kriege zu führen oder ihr eigenes Volk zu unterdrücken, sind wirklich stark. Nein, die echten starken Leute sind diejenigen, die in der Pflege, im Krankenhaus, im Altersheim oder in der Psychiatrie Menschen helfen und die trotz der ganzen Scheiße den Mut nicht verlieren und jeden Tag wiederkommen!
(Sinngemäße Wiedergabe)
Man merkt ihm manchmal an, dass er trotz der pointierten Darstellung, mit der er den ganzen Wahnsinn in der Welt beschreibt, sich echte Sorgen macht. Wer tut das nicht. Die satirischen Programme schreiben sich fast von selbst, wenn Leute wie Trump, Putin oder andere "Möchtegern-Weltherrscher" ihren täglichen Unsinn verbreiten und dafür noch gefeiert werden. Zumindest von ihren Fans, die irgendwo mal falsch abgebogen sind. Trotz seiner Kritik an der manchmal üblen Regierungspolitik positioniert er sich klar gegen die AfD. Einer der wichtigsten Sätze: "Man kann den Ärger manchmal verstehen, aber das ist kein Grund, die Nazis zu wählen!"

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