In den letzten Wochen gab es zahlreiche Wortmeldungen von Politikern und Arbeitgebern zum Thema "Wir arbeiten zu wenig!".
Und natürlich wurde vorgerechnet, dass 40 Stunden ja nichtmal ein Viertel der gesamten Wochenzeit sind oder dass irgendwo länger und mehr und besser gearbeitet wird als bei uns. Meist kamen diese Kommentare von Leuten, die damit protzen, dass sie 14 Stunden pro Tag arbeiten und auch am Wochenende durchziehen.
Was sie dabei aber gerne verschweigen: Das ausgedehnte Geschäftsessen am Abend für 200 EUR (oder mehr) gehört dann auch zur Arbeit. Der Besuch der VIP-Loge im Fußballstadion oder die Golfrunde mit einem Geschäftspartner ebenso.
Ich hatte schon berufliche Diskussionen mit Leuten, die eine Harleyreise durch die USA als geschäftlich angesetzt hatten. Oder die den Urlaub (mit Familie!) auch komplett als dienstlich eingestuft hatten, weil sie sich irgendwann mal zwischendurch mit einem Lieferanten getroffen haben.
Der Arztbesuch wird von der Sekretärin organisiert und natürlich während der Arbeitszeit durchgeführt, der Dienstwagen wird zur Inspektion oder zum Reifenwechsel von der Werkstatt abgeholt und zurückgebracht, der Garten wird vom firmeneigenen Gärtner gepflegt.
Und natürlich sehen diese Leute auch die Geburtstagsfeier des befreundeten Vorstandsvorsitzenden einer anderen Firma auch als Arbeit ... und so weiter.
Ich will Herrn Merz nicht seine Arbeit absprechen. Und ich möchte mit ihm auch nicht tauschen! Schon alleine, weil ich keinen Bock hätte, den Trump zu treffen ... oder noch schlimmer: Jens Spahn! 😁
Aber ich möchte diesem "Wir müssen alle mal mehr und härter und länger arbeiten"-Gelaber mal Folgendes entgegensetzen: Ich muss gar nichts! Und als Arbeitnehmer ist es mein Interesse, dass ich für so wenig Arbeit wie möglich so viel Geld wie möglich bekomme - und nichts anderes. Dass der Arbeitgeber das grundsätzlich genau entgegengesetzt sieht, ist auch klar. Und im Idealfall trifft man sich dann irgendwo in der Mitte und einigt sich.
Denn Arbeitnehmer sind keine Sklaven, die aus Dankbarkeit arbeiten und einen beträchtlichen Teil ihrer Lebenszeit einer Firma aus lauter Nettigkeit zur Verfügung stellen. Sondern sie machen das, um so gut wie möglich bezahlt zu werden. Und genau deshalb fahre ich übrigens in der nächsten Woche nachmittags zur Demo, um für mehr Geld zu demonstrieren. Als Beamter darf ich das natürlich nicht während der Arbeitszeit und schon gar nicht im Rahmen eines Streiks! Aber genau deshalb nehme ich dafür Urlaub. Bei Herrn Merz oder den o.g. Arbeitgebervertretern würde es sicherlich als Arbeitszeit zählen ... 😁
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