Donnerstag, 12. Juli 2018

Ja, und der Rest der Welt ist auch verrückt ...

Manchmal wundere ich mich noch über die Themen, die uns Deutsche so interessieren. Zum Beispiel neulich, als die thailändischen Jugendlichen in einer Höhle in Thailand (also sozusagen weit genug weg ...) festsaßen, da gab es jede Menge Mitgefühl, Sorge und sogar Aufrufe zum Gebet (was ich durchaus gut finde!). Gleichzeitig - und das weiß eigentlich jeder, der sich ein bisschen politisch interessiert - ertrinken jeden Tag Menschen im Mittelmeer bei dem verzweifelten Versuch, nach Europa zu kommen. Und die gleichen Leute, die mit den Jugendlichen in Thailand mitfiebern und hoffen, denen ist das andere völlig scheißegal. Oder unterstellen wir mal, dass es nicht "scheißegal" ist, aber dass man das eben so hinnehmen muss ... harte Linie und so.
Ich will jetzt hier nicht darauf hinaus, dass unbedingt jeder Afrikaner nach Europa kommen kann. Und man kann sicherlich auch sachlich hinterfragen, ob es auf Dauer was bringt, wenn Hilfsorganisationen den Schleppern die Arbeit abnehmen und die Leute nach Europa fahren. Möglicherweise kann man auch darauf hinarbeiten, dass Gerettete zunächst wieder nach Afrika gebracht werden, um die Anreize zu diesen gefährlichen Fahrten zu minimieren. All das kann man diskutieren. Aber eines kann man sicher nicht: Zugucken, wie Menschen ertrinken!
Und deshalb verstehe ich auch nicht, warum Hilfsorganisationen jetzt wie Kriminelle behandelt werden.
Und was ich auch nicht verstehe: Horst Seehofer ist ein Musterbeispiel für einen ehemals sachlichen Politiker (na ja, zumindest halbwegs), der sich auf Wählerstimmenfang im AfD-Gebiet begeben hat und damit so richtig auf die Fresse geflogen ist. Seine CSU hat weiterhin Stimmen an die Blaubraunen verloren, seine unsägliche Politik hat die Wahlkampfthemen der AfD wochenlang in den Medien gehalten, und jetzt hat er auch noch mit seinem schlimmen Spruch zu den 69 abgeschobenen Menschen bewiesen, dass ihm auf diesem Weg nach rechts jegliches Gespür für Menschlichkeit und Empathie verloren gegangen ist.
Einer der Abgeschobenen (nicht der, der Suizid begangen hat) soll übrigens gläubiger Christ sein und sich seit Jahren zu seinem Glauben bekennen. Dieser Mann könnte in Afghanistan ernsthaft in Lebensgefahr sein. Auch über solche Schicksale sollte jeder Christ mal nachdenken, der sich in den Positionen der AfD (oder der immer weiter nach rechts abdriftenden CSU) wiederfindet und Abschiebungen pauschal beklatscht.
Aber diese Themen werden ja bei uns meist schnell abgehakt und dann regen wir uns lieber wieder über einen türkischstämmigen Nationalspieler auf, der von seinem Präsidenten, seinem Manager und leider auch von seinen schweigenden Mitspielern alleine gelassen wird. Mesut, wenn ich Nationalspieler wäre (... dann wären wir natürlich sowieso nicht ausgeschieden, sondern jetzt im Finale gegen Frankreich, is ja klar ...), also, wenn ich Nationalspieler wäre, dann hätte ich mich vor die Kameras gestellt und gesagt, dass du zwar scheiße gespielt hast (... ja, komm, das war echt nicht so besonders ... ) also, dass du zwar scheiße gespielt hast, aber dass du genauso zur deutschen Nationalmannschaft gehörst wie Mario Götze (okay, blödes Beispiel ...) also, dass du genauso zur deutschen Nationalmannschaft gehörst wie Reus, Hummels, Neuer oder Boateng. Und dass alle, die dich nicht sachlich wegen deiner Leistung, sondern letztlich rassistisch wegen deiner Herkunft kritisieren, sich schämen sollten ... Genau so hätte ich das gesagt! Und auf mich hätten sie gehört, denn wenn der Fischer schon zwölf Tore bei der WM geschossen hat, dann darf er auch mal die Klappe aufreißen.
Alles könnte so einfach sein, wenn ich Fußballer wäre ... 

Keine Kommentare: