Sonntag, 8. Juli 2018

Herr Grindel, treten Sie zurück

So langsam wird es unerträglich! Nachdem Oliver Bierhoff sich auf Mesut Özil eingeschossen hatte und dann zurückgerudert ist, kommt jetzt auch noch DFB-Präsident Grindel um die Ecke und meint, Özil zu einer Erklärung für die Fans drängen zu müssen.
Der Präsident, der nach den Erdogan-Fotos ziemlich hilflos rumwurschtelte und hoffte, dass dieses Thema sich schnell erledigt.
Der Präsident, dem - so vermute ich - der Bundestrainer gesagt hat, dass er auf gar keinen Fall auf Özil und Gündogan verzichten will und der dann als Präsident in dieser ganzen Affäre immer nur wie ein "Grüßaugust" wirkte und das übliche Blabla eines langjährigen Politikers ablieferte.
Der Präsident, der ohne Not VOR der WM den ohnehin schon bis 2020 laufenden Vertrag mit dem Trainer bis 2022 verlängerte.
Der Präsident, der nach dem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft vorschnell an Löw als Trainer festhielt, ohne sich auch nur ansatzweise erklären zu lassen, wie es denn nun ANDERS mit dem GLEICHEN Trainer weitergehen soll (was ich immer noch für Blödsinn halte).
Und weil er das wohl irgendwie gemerkt hat, dass er dabei nun auch nicht gerade die tolle Figur gemacht hat, sucht er sich jetzt mal wieder den Özil, um von seinem katastrophalen Krisenmanagement abzulenken. Den Özil, den man wegen des Fotos irgendwann im Mai sicher mal kritisieren konnte und der danach dann eigentlich nur noch der "Prügelknabe" für die immer offener zu Tage tretende Migrationsfeindlichkeit einiger deutscher Fußballfans war. Wenn der DFB sich auf der einen Seite hinter die Kampagne "Say NO to rasicm" stellt, kann ihr Präsident sich nicht so dermaßen amateurhaft zum wiederholten Male den Özil als Opfer aussuchen.
Herr Grindel, Sie hatten als Präsident des DFB die Möglichkeit, direkt nach den Fotos von Özil und Gündogan mit Erdogan einzugreifen und die beiden zu einer Stellungnahme aufzufordern oder sie zu suspendieren. Das haben Sie nicht getan. Jetzt - zwei Monate später - dieses Thema noch mal wieder aufzuwärmen, um den eigenen Arsch zu retten, ist erbärmlich. Und wir sind nicht wegen Özil ausgeschieden, sondern auch wegen Hummels, Kroos, Müller, Werner, Kimmich und einigen anderen, die alle weit unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Man kann sportlich sicher auf Özil verzichten, weil er leider in den letzten Jahren nicht mehr die Form hatte, die uns mit ihm zum WM-Titel 2014 gebracht hat. Aber man muss garantiert nicht dieses Fass neu aufmachen, das in Özil den Schuldigen für das Versagen einer ganzen Mannschaft sieht. Schon gar nicht als Präsident des DFB. Ihnen, Herr Grindel, will ich nicht unterstellen, dass sie grundsätzlich gegen Spieler mit Migrationshintergrund sind. Aber als Politiker sollten Sie wissen, dass diese ohnehin schon aufgeblähte und aufgeheizte Debatte aus dem rechten Lager genüsslich immer wieder hochgekocht wird. Und dazu tragen Sie jetzt leider mit Ihrer überflüssigen und vor allem viel zu späten Forderung auch noch bei. Herr Grindel, Sie sollten zurücktreten!



#ZSMMNPCKN #FISCHERFORDERTGRINDELSRUECKTRITT #SAYNOTOGRINDEL


Nachtrag 09.07 18:08 Uhr: Mittlerweile gibt es Artikel im Stern und auch Beiträge bei Sky (u.a. Kommentar von Didi Hamann), die das Vorgehen von DFB-Präsident Grindel ebenfalls merkwürdig und verkehrt finden. Allerdings fordern die nicht den Rücktritt von Grindel. Ich schon ... denn mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass der DFB mich sowieso nicht als Berater einstellt, da versaue ich mir also wahrscheinlich nichts ;-)

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