Montag, 14. Mai 2018

Die Flagge

Als ich im Jahr 2003 erstmalig in New York war, ist mir aufgefallen, wie verklemmt wir Deutschen mit unserer schwarzrotgoldenen Flagge umgehen. Beim sogenannten "Friendship Run", an dem etwa 10.000 ausländische (also in diesem Fall nichtamerikanische) Läufer teilnahmen, waren wir Deutschen angeblich die größte Gruppe. Aber während alle anderen Nationen ihre Flaggen schwenkten, in Landestracht gekleidet waren und teilweise sogar ihre Hymnen sangen, als wir auf die offizielle Ansprache warteten, gab es bei uns Deutschen nur den obligatorischen Bayern in Lederhose und mich mit einem schwarzrotgoldenen Halstuch.
Durch die WM 2006 änderte sich das glücklicherweise, denn aufgrund der guten fußballerischen Leistungen unserer Mannschaft und des tollen Wetters entdeckten auf einmal Millionen von Deutschen, dass es Spaß macht, auch mal die Nationalflagge im Garten, am Haus oder am Auto wehen zu lassen. Und bei meinem zweiten New York Marathon im November 2006 sah dann die deutsche Abteilung beim "Friendship Run" glücklicherweise deutlich "schwarzrotgoldener" aus.
Leider passierte dann in den letzten Jahren wieder so einiges, was einem die Freude an der deutschen Flagge etwas vermiesen könnte. Denn in Zeiten von ebenfalls fahnenschwenkenden PEGIDA- und AfD-Aufmärschen und dumpf-nationalistischem "Wir sind das Volk" Gebrüll möchte man ja fast auf das Aufhängen der Flagge wieder verzichten. Aber das wäre ein falsches Signal! Denn Deutschland ist und bleibt auch hoffentlich ein weltoffenes und mauerfreies Land. Mit Flaggen bei der WM.

Deutschlandflagge in Öl. Ein Gemälde von Klaus Fischer

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