Sonntag, 29. April 2018

Hamburg-Marathon ... im Fernsehen

Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, dass Kathrine Switzer vor etwas mehr als 50 Jahren als erste Frau einen Marathon offiziell beendete (es gab schon vorher Frauen, die heimlich mitgelaufen sind, aber dann heimlich mit Männer-Verkleidung oder ohne Startnummer). Ein Offizieller des Boston-Marathons wollte ihr damals 1967 die Startnummer wegnehmen, wurde aber von ihrem Freund daran gehindert, sodass sie das Rennen beenden konnte. Erst einige Jahre später durften Frauen überhaupt offiziell an Marathonläufen teilnehmen und es dauerte dann noch bis 1984, bis Frauen endlich auch einen olympischen Marathon bekamen.
Die Gründe für die vorher bestehenden Verbote lagen in der Annahme, dass Frauen so eine extreme Belastung nicht aushalten könnten. Das war also durchaus auch ein bisschen fürsorglich gemeint, aber völliger Schwachsinn. Jeder, der schon mal bei einer Geburt dabei war, kann zumindest entfernt ahnen, was Frauen aushalten können. Und jeder, der selber Marathon läuft, der weiß dann auch, dass Frauen unglaublich zäh sind. Ich habe immer wieder, auch zu meinen besten Zeiten, die Erfahrung gemacht, dass eine Frau, die ungefähr mein Tempo lief, mich dann auf den letzten Kilometern abgehängt hat. Was entweder daran liegt, dass ich zu blöde bin, mir meine Rennen perfekt einzuteilen oder daran, dass die Mädels noch ein bisschen mehr über ihre Grenzen gehen können.
Das zeigt, dass die Leichtathletik auch über lange Zeit ziemlich "Chauvi"-haft unterwegs war. Mein Schwiegervater, früher mal selbst ein hervorragender Langstreckenläufer und langjähriger Kreisrekordhalter über 10.000 Meter, sagte mal vor vielen Jahren zu mir: "Aber du lässt dich doch nicht von Frauen überholen, oder?" Und ich antwortete lachend: "Soll ich sie wegschubsen, wenn sie schneller sind?"
Nee, nee, mittlerweile überholen mich ziemlich viele Frauen. Im letzten Jahr sogar eine kleine, dicke Mexikanerin in Flipflops. Heute kann das nicht passieren, denn den Hamburg-Marathon gucke ich nur im Fernsehen. Aber in Berlin, da lasse ich mich dann wieder überholen ...

Symbolbild eines dicken alten Marathonläufers


NACHTRAG 14:48 Uhr: ... und die Laufkumpels in Hamburg haben mich immerhin motiviert, auch mal wieder ein paar Kilometer zu laufen. Auch wenn sonntags Horden von Ebike-Rentnern unterwegs sind, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Und die zwei Stück Torte anschließend werden bestimmt auch dafür sorgen, dass ich nicht so schnell in den Untergewichtsbereich rutsche ... 

Keine Kommentare: