Sonntag, 15. Oktober 2017

Die Wahl

Wenn man quasi direkt neben dem Wahllokal wohnt, dann fragt man sich bei der heutigen Landtagswahl fast zwangsläufig, wer denn da von den Wahlberechtigtinnen und -Wahlberechtigten in unserem Dorf zu den 17,6 % AfD-Wählern bei der Bundestagswahl vor drei Wochen gehört hat. Aber diese Frage stelle ich mir nicht nur hier. Ich denke das auch, wenn ich durch unsere Straße fahre und irgendeinen Nachbarn grüße (wie man das auf dem Dorf eben so macht) oder wenn ich mich mit irgendwem über das Wetter unterhalte (wie man das auf dem Dorf eben so macht). Mich tröstet die Vorstellung, dass ich in wenigen Monaten hier wegziehe und dieses Dorf hinter mir lasse. Klar, es wird ein Teil meines Lebens bleiben, denn wir haben dann fast 23 Jahre hier gewohnt. Die Kinder sind hier aufgewachsen, haben Freunde gewonnen oder sich auch manchmal mit "Feinden" angelegt (wie man das auf dem Dorf eben so macht). Ich habe meine Trainingsstrecken hier in- und auswendig gelernt, weil es auch nicht so viele Möglichkeiten der Variation gab. Und ich habe freundlich gegrüßt, wenn ich im Feld oder im Wald irgendwen aus unserem Ort getroffen habe (wie man das auf dem Dorf eben so macht). So richtig vermissen werde ich das trotzdem alles nicht, denn eigentlich freue ich mich auf das neue Haus und auf die Kleinstadt, in der dann doch wenigstens ein bisschen mehr los ist. Und in der auch glücklicherweise prozentual deutlich weniger Menschen die AfD gewählt haben.
Mal sehen, wie viele es heute Abend bei der Landtagswahl in unserem Dorf sind. Und dann werde ich mich danach wahrscheinlich wieder fragen, ob der Typ mit dem Hund oder die Frau mit den Walkingstöcken oder das Ehepaar mit den gleichfarbigen Regenjacken auch diese merkwürdige Partei gewählt haben ... Eigentlich sind das so nette Menschen hier, aber das mit den 17,6 %, das werde ich nie verstehen ...


Nachtrag 16.10.2017 06:20 Uhr: Die Ergebnisse aus unserem Dorf habe ich noch nicht, aber Zahlen der Gemeinde liegen schon vor. 9,48 % für die AfD, zwar deutlich weniger als bei der Bundestagswahl, aber immer noch wesentlich mehr als insgesamt in Niedersachsen. Scheint so zu sein, dass die Menschen auf den von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern empfänglicher sind für verschwörerische, hetzende und lieblose Parolen.

Nachtrag 16.10.2017 16:30 Uhr: Die AfD hat in unserem Dorf 11,9 % bekommen. Das waren 25 Stimmen. Klingt erstmal wenig, aber wenn man bedenkt, dass beispielsweise die CDU auch nur 35 Stimmen bekommen hat, dann ist das Ergebnis trotzdem erschreckend. Wohin ein Wahlkampf mit fast ausschließlich rechtspopulistischen Inhalten führen kann, sieht man jetzt gerade bei unseren österreichischen Freunden ... 

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