Montag, 26. Juni 2017

Warum fromme Musiker nicht lieber Pfandflaschen sammeln ...

Martin P. ist ein in frommen Kreisen bekannter Musiker und Komponist (Stichwort: „Du gibst mir Rückenwind“). Er schilderte neulich ein ziemlich nerviges Konzertwochenende mit mehreren Autopannen, Abschleppdienst, Leihwagen und Ankunft am Zielort erst kurz vor dem Konzert. Dass er dann trotzdem innerhalb weniger Minuten noch den Aufbau der Soundanlage inklusive improvisiertem Soundcheck hingekriegt hat und anschließend ein „normales“ Konzert spielte, zeigt, dass der Mann ein echter Profi und Könner auf seinem Gebiet ist.

Was mich bei diesem Bericht nur wunderte, war folgendes. Ich dachte nämlich immer, dass diese christlichen Profimusiker mit dem Privatjet einschweben, für die Technik natürlich ihre Roadies haben, die alles vorbereiten und dem Künstler dann nur noch das Instrument in die Hand drücken. Und natürlich kriegt der dann auch noch vor, während und nach dem Konzert gekühlte Speisen und Getränke gereicht und hat dann höchstens etwas Anstrengung, wenn er anschließend den großen Koffer mit den nicht fortlaufend nummerierten Scheinen für die Gage zur Luxuslimousine tragen muss.
Scheint aber in Wirklichkeit doch irgendwie anders zu laufen und vermutlich sieht es eher so aus, dass man sich als Künstler beim Kassieren des meist eher dürftigen Honorars manchmal noch solche Sprüche anhören kann wie „Na, so einen Stundenlohn möchte ich ja auch mal fürs Singen haben ...“ Dass der Musiker dieses Honorar nicht nur für die 90 Minuten des Konzerts bekommt, sondern beispielsweise auch für die vielen Stunden der An- und Abreise inklusive nerviger Warterei im Stau, für die Kosten der Musikanlage, der Musikinstrumente, des Zubehörs, für das zwangsläufig nötige große Auto, für die Zeit des Übens, Arrangierens und Komponierens, für die Miete des Proberaumes, für die Organisation der Termine … all das wird dann schnell mal vergessen.
Ich hoffe mal, dass Martin P. von seiner Musik ganz gut leben kann, aber ich kenne auch einige christliche Musiker, die das nur sehr schwierig schaffen. Manche von ihnen müssen nebenbei noch einer „normalen“ Arbeit nachgehen, weil die Kohle sonst nicht reichen würde. Und trotzdem tun sie sich das an fast jedem Wochenende wieder an. Sie verbringen ihre Zeit irgendwo auf deutschen Autobahnen, fahren hunderte von Kilometern zum Konzerttermin, stehen im Stau oder irgendwo auf einer Raststätte, um eine halbwegs saubere Toilette zu suchen (die dann auch wieder Geld kostet). Oft genug fahren sie noch nach dem Konzert nach Hause oder zum nächsten Auftrittsort und kommen da nachts um zwei völlig übermüdet an. Und wenn nicht genügend Eintrittskarten verkauft wurden und dementsprechend dann auch der CD-Verkauf eher suboptimal gelaufen ist, dann haben sie vielleicht bei der ganzen Aktion sogar noch Miese gemacht.
Und da stellt sich dann die Frage: Warum macht man sowas trotzdem? Warum geht ein Martin P. dann nicht einfach irgendwo in einem 9-5 Job arbeiten oder spielt als Musiker einer Top 40 Band in der näheren Umgebung? Warum christliche Musik trotz aller Widerstände?
Ich glaube, die Antwort darauf ist ganz einfach: Die machen das nicht etwa, weil sie ihren Erlöser Jesus Christus mit ihrer Musik ehren wollen und auch nicht aus Liebe zu den Glaubensgeschwistern vor Ort … Nein, die haben einfach nur Angst, dass - wenn sie es nicht machen würden - dann solche musikalischen Vollpfosten wie ICH losziehen und die Christenheit mit ihrer drittklassigen Musik in die Knie zwingen würden. Und dann machen sie es lieber selber. Das wird es sein ...


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